Reisen & Verkehr

Nachtzüge in die Slowakei – unsere Erfahrungen

Wenn wir mit dem Zug aus dem Norden von Deutschland in die Slowakei fahren, dann wird es zeitlich häufig eng. Wir müssen schon um 4:30 Uhr in Greifswald den ersten Regionalzug nach Berlin nehmen um am Abend in Bratislava den letzten Zug in Richtung Mittelslowakei zu kriegend.

Als entspanntere Alternative haben wir daher häufig einen Nachtzug von Berlin nach Bratislava genommen. Dieser Beitrag beschreibt unsere praktischen Erfahrungen und ein paar kuriose Erlebnisse dabei.

Mit Fremden kuscheln

Nach wie vor lassen sich Nachtzüge in die Slowakei für einen Preis ab 29€ buchen. Dabei ist jedoch keine Liege enthalten. Wir haben ein paarmal unser Budget geschont und auf diesen Luxus verzichtet, würden es aber niemandem mehr empfehlen.

Einmal sind wir ohne Liegeplatz mit einem Nachtzug aus Wien nach Berlin gefahren. Wir waren zu dritt und alleine im Abteil und haben gelernt, dass sich die Sitze in diesen Zügen so herunterziehen lassen, dass sie eine recht angenehme und das ganze Abteil ausfüllende Liegefläche ergeben.

Zwar ließ sich das Abteil von innen verriegeln, jedoch nicht so sicher wie die eigentlichen Schlafabteile und der Schaffner hat einen entsprechenden Schlüssel.

So kam dann auch der Schaffner mitten in der Nacht und öffnete unser Abteil auf der Suche nach freien Plätzen für ein paar spät Zugestiegene. Im Nu war die Nachtruhe vorbei und keiner von uns konnte sich mehr richtig erholen. Zu eng lagen wir nun mit uns wildfremden Leuten in einem Abteil.

Achtung vor Dieben

Während sich die speziellen Schlafabteils gut von innen verriegeln lassen und uns keine Geschichten über Diebstähle in solchen bekannt sind, so haben wir schon einiges in Sitzabteilen in Nachtzügen erlebt.

Mindestens zweimal wurde uns bei solchen Fahrten etwas entwendet. Ein weiterer Grund, weshalb ich diese Reiseform meide und lieber eine Liege buche. Einmal ist Ráchel allein unterwegs gewesen und wurde mitten in der Nacht wach, als ein Wildfremder den Rucksack über ihr durchsuchte. Er hat sich zwar mit einer Ausrede schnell verzogen, aber das Gefühl das ihr danach blieb war sehr unangenehm.

Leider müssen wir sagen, dass in beiden Fällen die Reise im Nachtzug über Polen ging. Aus anderen Richtungen haben wir keine entsprechenden Erfahrungen gemacht.

Ráchel hat es auch schon erlebt, dass eine Mitreisende in einem Sitzabteil im Nachtzug eine Kette auspackte und die Tür von innen verriegelte. Es geht also …

Einmal hat uns ein Reisebegleiter in einem Nachtzug auch im Liegewagen vor Dieben gewarnt. Aufgrund seiner schlechten Sprachkenntnisse wirkte das Ganze etwas absurd und beunruhigend. Passiert ist aber hier nichts.

Luxus im Nachtzug

Bei meiner ersten Reise aus der Slowakei nach Deutschland bin ich in einem Nachtzug aus Zvolen nach Prag gereist. Es gab ausschließlich 3-er Abteile mit einem Tisch welcher zu einem Waschbecken umfunktioniert werden konnte gegenüber der Betten. Ein Teppich fügte das übrige hinzu um das Abteil sehr angenehm zu machen.

Diese Art von Abteil haben wir auch später noch gebucht. Damals gab es aber eine Geschlechtertrennung, so dass Ráchel und ich hätten in getrennten Abteilen schlafen müssen. Eine sehr freundliche Angestellte der slowakischen Staatsbahn machte uns jedoch darauf aufmerksam, dass wir gegen einen geringen Aufpreis das ganze Abteil für uns buchen konnten, was wir auch getan haben.

Ansonsten reichte es uns auch immer aus eine Liege in einem 6-er Abteil zu buchen. Wer direkt am Schalter bucht konnte dabei auch in Deutschland wählen, wo die Liege sein sollte.

Wir empfehlen hier auf jeden Fall die oberen Liegen, da hier die Privatsphäre vergleichsweise hoch ist und der Platz über dem Gang als sehr große Ablagefläche genutzt werden kann.

Der Luxus beim Reisen im Nachtzug fällt und steigt unserer Ansicht nach mit der Anzahl der Mitreisenden im Abteil. Da „unser“ Nachtzug von Berlin nach Budapest fährt, ist er gerade in der Touristensaison gut ausgebucht. In der Nebensaison waren wir auch schon einmal zu viert im gesamten Waggon und es stellte sich heraus, dass Ráchel den Bruder einer Mitreisenden kannte.

Die Reisebegleiter

Jeder Liegewagen eines Nachtzuges ist von den anderen abgetrennt. Dadurch hält sich die Ruhestörung an den Stationen in Grenzen und wir fühlen uns auch etwas sicherer.

Beim Einsteigen ist es aber wichtig, gleich den richtigen Waggon zu finden, was dank der Reisebegleiter die einen schon draußen im Empfang nehmen aber kein Problem darstellt.

Der Reisebegleiter fährt die ganze Zeit mit und hat seine eigene kleine Kabine im Waggon. Er nimmt die Tickets entgegen, weist einem die Liege zu und gibt eine kurze Einweisung und weckt morgens mit ausreichend Zeit vor dem Ausstieg samt Heißgetränk und einem kleinen Snack.

Die Reisebegleiter kommen meist aus dem Zielland. In unserem Falle also häufig aus Ungarn. Ihre Sprachkenntnisse im Deutschen oder Englischen sind meist ebenfalls ausreichend.

Die Reise

Das Reisen mit dem Nachtzug dauert immer länger als eine Direktverbindung am Tag. Im Falle von Berlin nach Bratislava sind das aktuell etwa 2:30 Stunden mehr.

Es verwundert mich fast, dass es nur so wenig zusätzliche Zeit benötigt, denn gefühlt tuckert der Nachtzug im Schneckentempo vor sich her und bleibt auch mal gerne sehr lange irgendwo stehen.

Ich bin allgemein ein eher unruhiger Schläfer in fremden Umgebungen und schrecke bei ungewohnten Geräuschen schnell hoch. Daher ist mein Erholungsgrad im Schlafwagen geringer als der von Ráchel, die recht schnell weg- und dann durchschläft.

Die Betten sind ausreichend für jemanden mit meiner Größe von 1,80m. Darüber hinaus kann es ungemütlich werden.

Fazit

Wir machen mittlerweile gerne Ausflüge in der Slowakei und bevorzugen es daher ein Auto vor Ort zu haben. Ansonsten würde ich jetzt, wo die Deutsche Bahn wieder Nachtzüge in die Slowakei anbietet, wieder ohne Zögern einen solchen buchen. Der Komfort ist gerade bei wenig Gepäck doch höher als über 10 Stunden am Steuer zu sitzen. Außerdem hat Nachtzug für mich immer noch einen kleinen Geschmack von Abenteuer.

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