Blick auf die historische Fassade in Banská Bystrica
Unterwegs

Banská Bystrica – die Stadt irgendwo dazwischen

Ich kenne Banská Bystrica seit meinen ersten Reisen in die Slowakei vor 15 Jahren. Doch nie habe ich sie so genau betrachtet wie bei meine Fotosafari zum Ausschmücken dieses Beitrages. Dabei sind mir die vielen Gesichter der Stadt aufgefallen, die sich im Stadtbild nicht immer harmonisch ineinander fügen.

Die Stadt Banská Bystrica ist mit ca. 78.000 Einwohnern die Metropole der Mittelslowakei. Und genau das zeichnet die Stadt aus. Sie liegt am Fuße der Niederen Tatra und ist fast komplett von Bergen umschlossen. Deren schneebedeckte Spitzen sieht man von vielen Punkten der Stadt aus, teilweise noch bis lange in den Sommer.

Friedhof mit Ausblick auf die Berge
Typisch Mittelslowakei. Im Hintergrund sieht man immer Berge

Auszüge aus der Geschichte

Das „kupferne“ Banská Bystrica gehörte zu den wichtigsten Bergbaustädten der Mittelslowakei. Der Abbau von Kupfer reicht hier sehr lange zurück. Die Bergbauunternehmen, die hier seit dem 13. Jahrhundert hauptsächlich Gold, Silber und Kupfer abbauten, gehörten vor allem den angesiedelten Deutschen. Eine Blüte erreichte die Stadt um 1500 durch einen Zusammenschluss der Augsburger Familie Fugger und der Zipser Familie Thurzo zu einem der größten europäischen Handelsunternehmen. Die Geschichte des Bergbaus endete hier im Jahre 1788.

Die deutsche Besiedlung der Stadt reichte soweit, dass sie mit Neusohl sogar einen deutschen Namen trug, der sich vom deutschen Namen der nahen und damals wichtigeren Stadt Zvolen (dt. Sohl) ableitete. Nach der Ermordung von deutschen Einwohnern während des Aufstands von 1944 und nach den Beneš-Dekreten gibt es heute keine nennenswerte deutsche Minderheit mehr. Von ihr zeugen nur noch historische Inschriften und Grabsteine auf dem Friedhof.

Der Slowakische Nationalaufstand 1944

Banská Bystrica war 1944 Zentrum des Slowakischen Nationalaufstandes gegen das nationalsozialistische Regime. Für zwei Monate gelang es den Partisanen, die Stadt von der deutschen Besetzung zu befreien und von hier aus den Widerstand im ganzen Land zu organisieren.

Diese Episode in der Geschichte der Mittelslowakei ist noch an vielen Stellen der Stadt zu sehen. Der historische Platz im Stadtzentrum trägt den Namen Námestie SNP (dt. Platz des Slowakischen Nationalaufstandes), wobei SNP nicht nur hier immer wieder auf Schildern und Tafeln zu sehen ist.

Stadt mit drei Gesichtern

Bei meinen Streifzügen durch Banská Bystrica stoße ich immer auf drei Gesichter, die sich hier begegnen und sich nie wirklich vereinen können. Für mich vermischt sich das in einem sehr unruhigen Stadtbild, welches ich als typisch für viele slowakische Städte ansehe.

Zunächst reiht sich Banská Bystrica unter die glorreichen Bergbaustädte der Mittelslowakei ein. Diese Geschichte manifestiert sich in der Struktur des Stadtzentrums und seinen historischen Gebäuden.

Als zweites hat sich auch die Periode des Kommunismus ins Stadtbild eingebrannt. Diese ist in Banská Bystrica noch ausgeprägter durch die Omnipräsenz des Slowakischen Nationalaufstand und die Befreiung durch die Rote Armee.

Als drittes hat der Konsum Einzug gehalten. Überall prangen Werbeschilder, es gibt kleine Passagen, mittlerweile auch einige Einkaufszentren. Junge Leute sitzen mit ihren Smartphones in hippen Cafés, es gibt Burgerbars und an vielen Stellen freies W-LAN.

Der Kontrast zwischen Geschichte und Moderne ist an vielen Stellen sichtbar. Ein Beispiel: Zwischen dem Museum des Slowakischen Nationalaufstandes und dem Hotel LUX liegt ein Park. Eine große Freifläche darin ist umrandet mit einem neuen Rundweg für Skater. In einer anderen Ecke gibt es neue Spielzeuge und Outdoor-Fitnessgeräte. Viele Wege in diesen Park führen über alte, aufgerissene Bürgersteige vorbei an den sozialistischen Spielgeräten der Vergangenheit.

Europa

Wenn man in Banská Bystrica nach Europa will, dann geht man in das größte Einkaufszentrum. Das an sich ist für mich schon ein bisschen kurios. Der Büroturm, der zu diesem Gebäudekomplex gehört, prägt das Stadtbild deutlich.

Neben diesem großen Shoppingparadies gibt es gerade in der Altstadt viele kleine Passagen in Hinterhöfen. Hier befinden sich Geschäfte, kleine Dienstleister und Büros. Für mich sind diese Hinterhöfe ungewohnt, gehören in der Slowakei aber zum normalen Stadtbild. In Banská Bystrica hat dies noch einen historischen Hintergrund: Die Häuser im historischen Zentrum hatten repräsentative aber sehr schmale Fronten, erstreckten sich lang nach hinten, sowie man es in anderen mittelalterlichen deutschen Städten wiederfindet. Auf den langen Parzellen waren weitere Wirtschaftsgebäude und Felder zur Selbstversorgung untergebracht.

Eingang zu einer Passage
Eingang einer Passage mit vielen kleinen Geschäften

Den Mix aus beidem bilden einige große Gebäude mit Glasfassaden aus sozialistischer Zeit, in denen heute neue Geschäfte eingezogen sind, die jedoch immer noch eine Gefühl vergangener Zeiten vermitteln.

Sehenswürdigkeiten

Banská Bystrica eignet sich meiner Meinung nach sehr gut für historisch interessierte Besucher, einen entspannten Stadtbummel oder zum Erlaufen der verschiedenen Plätze für Wanderfreudige.

Námestie SNP – Platz des Slowakischen Nationalaufstandes

Auf dem zentralen Platz der Altstadt, dem Námestie SNP treffen alle Gesichter der Stadt aufeinander. Umgeben wird er von den historischen Bauten aus der Blütezeit der Bergbaugeschichte. Im Zentrum stehen ein Denkmal für die Befreiung der Stadt durch die Rote Armee im Jahr 1945 und ein großer Springbrunnen aus sozialistischer Zeit. Auch die farbenfrohen Blumenbeete erinnern mich an meine Kindheit in der DDR.

Am oberen Zentrum stehen eine Mariensäule und die Kathedrale des heiligen Franz Xaver. Am Rande ist eine Gedenktafel zu finden, die an den Besuch von Papst Johannes Paul II. im Jahr 2003 erinnert, der auf dem Platz eine heilige Messe zelebrierte.

Im Frühjahr und Sommer laden die Außenterrassen der Cafés und Restaurants zum Verweilen ein. Häufig gibt es hier auch Märkte und Veranstaltungen mit Kleinkunst und Live-Musik.

Mittelslowakisches Museum

Das Stredoslovenské múzeum (dt. Museum der Mittelslowakei) existiert bereits seit 1889 und erstreckt sich heute über drei Standorte in der Stadt. Zentraler Standort ist das sogenannte Thurzo-Haus am Námestie SNP. Das gotische Haus ist an sich schon einen Besuch wert. In der Dauerausstellung erfährt der Besucher etwas über die Geschichte der und das Leben in der Mittelslowakei.

Adresse: Thurzo Dom, Nám. SNP č. 4, Banská Bystrica
https://ssmuzeum.sk/ nur auf Slowakisch

Banská Bystrica - Thurzo Dom
Thurzo Dom, damals auch „Mittelhaus“. Heute das Mittelslowakische Museum

Die Stadtburg

Banská Bystrica wurde im 16. Jahrhundert befestigt, als sich das Osmanische Reich bis in die heutige Südslowakei erstreckte und die Bergbaustädte bedrohte. Benötigt wurden diese Anlagen am Ende jedoch nicht.

In diesem Zusammenhang ist auch die Stadtburg in Banská Bystrica entstanden, welche heute aufgrund der fehlenden Befestigung nicht mehr als solche erkennbar ist, sondern vielmehr als Häuserensemble auf einem Burgberg bezeichnet werden kann. Der markanteste, noch heute erhaltene Teil der Stadtburg ist der Barbakan. Das ehemalige Burgtor ist heute der Eingang zu einem Restaurant.

In der Stadt finden sich noch weitere Teile der ehemaligen Befestigungsanlagen, darunter eine Bastei in der Nähe des Museums des Slowakischen Nationalaufstandes.

Burg von Banská Bystrica
Der Barbakan mit dem Turm der “deutschen Kirche” im Hintergrund.

Denkmal und Museum des Slowakischen Nationalaufstandes

In der Nähe des historischen Stadtzentrums befindet sich auf einer Anhöhe das Denkmal des Slowakischen Nationalaufstandes. Der monumentale Betonbau ist gleichzeitig ein Museum für die Slowakei während des Ersten und Zweiten Weltkrieges und des Slowakischen Nationalaufstandes. Hinzu kommen verschiedene Wander- und Sonderausstellungen zur Geschichte der Slowakei in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Das Museum ist umgeben von einem frei zugänglichen Außenbereich in dem Geräte und Fahrzeuge des Zweiten Weltkrieges ausgestellt sind.

Adresse: Múzeum Slovenského národného povstania, Kapitulská 23, Banská Bystrica
http://www.muzeumsnp.sk/ (nur slowakisch)

Unsere Tipps

Die Altstadt um den Námestie SNP ist sehr kompakt. Dennoch erstrecken sich abseits von ihr noch so einige schöne Flecken. Ich würde grundsätzlich empfehlen sich im Rahmen seiner Slowakei-Reise mindestens einen Tag Zeit zu nehmen und am Vormittag mit dem Stadtbummel zu beginnen, am Mittag in eines der vielen Restaurants einzukehren und am Nachmittag noch die ein oder andere Sehenswürdigkeit anzusteuern oder sich einfach durch die Straßen treiben zu lassen.

Man kann natürlich auch für mehrere Tage nach Banská Bystrica reisen und von hier aus in alle Richtungen die Mittelslowakei erkunden.

Abseits von den offensichtlichen Sehenswürdigkeiten habe ich hier noch ein paar unserer ganz persönlichen Tipps aufgeführt.

Der katholische Friedhof

Der katholische Friedhof liegt gleich hinter der Stadtburg im Norden des Námestie SNP. Er erstreckt sich über einen zur Altstadt ausgerichteten Hügel. Die Stille und Aussicht lädt hier etwas zum Verweilen ein.

Auffällig ist der sehr hohe Anteil an Grabsteinen mit deutscher Aufschrift, der einen Eindruck davon vermittelt, wie stark die deutsche Bevölkerung in Banská Bystrica noch bis zum Zweiten Weltkrieg war. Überrascht hat mich, dass auch diese alten Gräber heute noch gepflegt werden.

Urpin

Der Urpin ist ein Berg südlich der Altstadt und des Flusses Hron (dt. Gran). Er ist ein beliebtes Ziel für kleine Wanderungen und Ausflüge und bietet einen schönen Überblick über die Stadt. Die Wege zum Aufstieg befinden sich sowohl im Norden beim kleinen Bahnhof Banská Bystrica Mesto als auch am Fuße der weiter östlich gelegenen Brücke, die über die Kapitulská Straße aus Richtung Múzeum SNP führt.

Auf dem Urpin gibt es Reste einer Kalvarie, ein Kloster und eine Kirche. Im Osten des Berges gibt es mit dem Radvaňská skala einen Aussichtspunkt auf den Stadtteil Radvaň.

Blick auf den Berg Urpin
Blick über den Hron auf den Urpin

Unsere Lieblingsbäckerei

Meine Frau muss jedes Mal, wenn wir in Banská Bystrica sind, in ihre Lieblingsbäckerei und obwohl ich wenig Backwaren esse, darf sie mir dann auch etwas mitbringen.

Wir empfehlen die gefüllten Teigtaschen mit Quark oder Mohn, aber auch die Obstfüllungen sind nicht schlecht. Einfach eine bunte Mischung für den verhältnismäßig kleinen Preis kaufen und ausprobieren.

Am besten holt man sich spätestens am frühen Nachmittag schon etwas. Gegen Ende der Öffnungszeit sind die Regale immer leer.

Pekáren Banská Bystrica
Haltet Ausschau nach dieser Bäckerei

Der Bahnhof

Ein noch funktionales Denkmal des Sozialismus stellt das Bahnhofsgebäude in Banská Bystrica dar. Wie in vielen slowakischen Städten besteht es aus einer sehr hohen Eingangs- und Wartehalle und ist ansonsten schlicht gestaltet.

Als Kontrast dazu wurde über den alten Busbahnhof direkt neben dem Bahnhof ein modernes Einkaufszentrum errichtet, welches jetzt gleichzeitig als Verbindung zwischen Bahnhof und Busbahnhof dienst.

Praktisches

Anreise und Parken

Banská Bystrica ist durch die Autobahn mit dem Westen der Slowakei verbunden. Die Landstraßen aus Richtung Norden führen über die Gebirgsketten. Aufgrund der LKWs kann hier die Anreise gerade tagsüber etwas länger dauern.

Die Stadt hat einige Parkplätze. Die Kosten beginnen bei 0,50 – 1,00 € pro Stunde und betragen maximal 3-6 € am Tag. Am Samstag ist das Parken ab 12 Uhr und Sonntags ganztags kostenlos. Die aktuellen Informationen sind an den Parkautomaten zu finden.

Überall sind Parkautomaten vorhanden, die sich mit Münzen füllen lassen. Das angebotene Bezahlen per SMS ist nur mit einer slowakischen Mobilfunknummer möglich.

Bei Google Maps kann man einfach nach “Parkovisko Banská Bystrica” suchen und findet dann einige Vorschläge.

Informationen für Touristen

Die meisten Einrichtungen haben eigene Webseiten. Einige auch auf Deutsch. Das Touristenportal der Stadt findet ihr hier.

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