Unterwegs

Pustý Hrad – die größte Burg der Welt

Pustý Hrad (dt. Öde Burg oder Verlassene Burg) ist ein verfallender Burgkomplex über der Stadt Zvolen. Er setzt sich aus einer Oberen Burg und einer Unteren Burg zusammen und erstreckt sich über ein Areal von 7,6 ha. Damit handelt es sich womöglich um die größte Burg dieser Art auf der Welt.

Uns fällt Pustý Hrad als erstes ein wenn wir in der Nähe von Zvolen wandern gehen wollen und daher waren wir wahrscheinlich schon ein dutzend Mal hier. Dabei haben wir im Laufe der Jahre auch die Entwicklung von einem bewaldeten Hügel zu einem von weitem sichtbaren und attraktiven Ausflugsziel miterlebt.

Zurück in die Steinzeit

Durch archäologische Ausgrabungen, die hier seit den 90er Jahren durchgeführt werden, wurde belegt, dass das Areal bereits in der Steinzeit besiedelt war. Die ältesten heute noch erhaltenen Ruinen datieren bis ins 12. Jahrhundert zurück. Nicht zuletzt aufgrund der frühen Besiedlung wird Pustý Hrad auch als Starý Zvolen (dt. Altes Zvolen) bezeichnet.

Die meisten heute noch sichtbaren Überreste der Burg stammen von den Ausbauten im 13. und 14. Jahrhundert, deren Anlass nicht zuletzt die mongolische Invasion war.

Im Zuge eines Binnenkrieges wurde die Burg 1451 niedergebrannt und nicht wieder aufgebaut, da das dann bereits existierende Schloss im Zentrum der Stadt viel praktischer war. Fortan verödete Pustý Hrad.

Zur Abgrenzung zum neueren Schloss im Zentrum von Zvolen, wird Pustý Hrad auch als Starý Zvolenský Hrad (dt. Alte Zvolener Burg) bezeichnet.

Entwicklung zum Ausflugsziel

Das auf einer Höhe von 475 bis 571 m ü. M. gelegene Areal setzt sich aus der Dolný Hrad (dt. Untere Burg), Horný Hrad (dt. Obere Burg) und einem 400 m langen Verbindungsabschnitt zusammen. Dabei ist die Obere Burg die mit Abstand größere von beiden.

Ich war zum ersten Mal im Jahr 2004 auf der Pustý Hrad und erinnere mich noch an eine große bewaldete Fläche auf der man ein paar Reste von Bauwerken im Unterholz oder Löcher zum Zwecke von Ausgrabungen gesehen hat. Mittlerweile ist das Areal gerodet und somit auch aus weitere Entfernung schon zu erkennen, etwa vom Zentrum von Zvolen aus oder bei der Anfahrt in die Stadt aus Richtung Bratislava.

Im Sommer werden die archäologischen Aktivitäten fortgeführt und gleichzeitig Gebäude und Befestigungsanlagen rekonstruiert. Da aufgrund des Alters der Verwüstungen keine Aufzeichnungen zu einem früheren Stand existieren wird hier viel improvisiert. Das hat uns zumindest einmal ein Freiwilliger erzählt.

Bei unserem letzten Besuch im Sommer 2019 wurde emsig auf der Unteren Burg gearbeitet. Während die Befestigungsanlagen auf beiden Teilen schon durchgängig rekonstruiert sind, wird auf der Unteren Burg auch an überdachten Gebäuden gearbeitet. Hier ist der Fortschritt jedes Jahr zu sehen.

Anreise und Aufstieg

Der zentrale Parkplatz ist von der Schnellstraße die aus Bratislava nach Zvolen führt zu sehen und über die Straße vorbei am Winterstadion erreichbar. Im Sommer und besonders an Wochenenden ist der kleine Platz sehr voll und die Besucher stehen auch auf beiden Seiten der Zufahrtsstraße.

In der Nähe der Unteren Burg gibt es einen Imbiss. Ein Schild am Parkplatz zeigt, ob dieser geöffnet ist. Dennoch würden wir empfehlen, sich mit ausreichend Wasser und Snacks auszustatten und auch den Sonnenschutz nicht zu vergessen, da oben auf der Burg kaum Schatten zu finden ist.

Der Höhenunterschied zwischen Parkplatz und höchstem Punkt der Burg beträgt in etwa 270 Meter. Grundsätzlich kann man zwei Wege zum Aufstieg nutzen. Ein Waldweg führt direkt vom Parkplatz ausgehend den Berg hoch. Der andere führt zunächst über eine Asphaltstraße am Berg entlang und beginnt dann langsam zu steigen. Die erste Variante ist steiler und schneller, die zweite entspannter und länger. Wir gehen meist den Waldweg hoch und den Asphaltweg hinunter.

Der von uns bevorzugte Waldweg führt direkt zur unteren Burg. Von hier aus hat man auch schon einen herrlichen Ausblick auf das Stadtzentrum und den östlichen Teil von Zvolen, sowie die weite Umgebung. Auf den Bildern unten sind die Rekonstruktionsarbeiten an der unteren Burg gut zu sehen.

Von der unteren Burg führt ein ca. 400 m langer Weg hoch zur oberen Burg. Dazwischen liegt der bereits erwähnte Imbiss, den wir aber noch nicht ausprobiert haben.

Auf der oberen Burg angekommen eröffnet sich plötzlich das weitläufige Areal. Hier gibt es ein paar Exponate und restaurierte Grundrisse von Gebäuden zu sehen, sowie erneut einen herrlichen Ausblick in die Umgebung.

Durch das Tor der oberen Burg kommt man auf einen Schotterweg der schnell zur asphaltierten Straße wird. Dieser Weg ist deutlich länger als der von uns vorgeschlagene Aufstieg und führt einmal rechtsdrehend um den Berg herum. Dadurch landet man direkt am Parkplatz. Dafür hat er jedoch eine geringere Steigung. Unten angekommen führt ein Abzweig durch eine Bungalowsiedlung zum Červený Medokýš, einer sehr mineralhaltigen Quelle. Wie man auf dem Bild unten sieht ist sie zudem sehr beliebt.

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